22.03. – 15.04. in den äußersten Norden Argentiniens

San Juan verlasse ich anfänglich mit Rückenwind und nun 9 Liter Wasser am Rad – die nächsten Etappen werden dünn besiedelt sein und es wird definitiv nicht kühler. Die leichte, aber anhaltende Steigung ist fast nur am Tacho sichtbar: Statt mit bei diesem Wind auf flacher Strecke einfach erreichbaren 30 km/h fahre ich „nur“ noch mit 17-20 km/h hinauf. Auf eine immerhin 5 km lange Abfahrt folgt eine endlose Gerade – endlos heißt, einige dutzend Kilometer. Am Wegesrand eine Fata Morgana: Liegen da tatsächlich einige Multipacks mit kleinen Limonadenflaschen im Sand? Ja, originalverschlossen, unbeschädigt mit Geschmack Apfel oder Zitrone. 3, 2, 1… meins! Für folgende Dürstlinge ist noch mehr als genug da, ich fülle lediglich die bisher verbrauchten 2 Liter auf. Darauf folgt … noch mehr gerade Strecke, immer entlang der längst kaputten, unterspülten Bahnlinie. Den einzigen Schatten spenden einige teils überdachte Rastplätze, ein Mal gar mit Grill, Ofen, Bänken und Strom neben einem Außenposten der Straßenwacht und die verschiedenen Gedenk- bzw. Andachtstätten, die ab und an unter seltenen Bäumen angelegt wurden. Auf diesem Abschnitt befindet sich auch der Abzweig zur eigentlichen Correa Diffunta, dem Ort, an dem der Legende nach die verdurstete Mutter mit überlebendem Kind an der Brust gefunden wurde. Bald, zu Ostern, wird diese Minisiedlung wohl von mehreren zehntausend Menschen überflutet, die die heiligen Stätten besuchen. 40 km ab von der Hauptstrecke – muss ich mir nicht angucken. Die alten Bahnhöfe entlang der Route haben allesamt kein Dach mehr, böten sich aber zur Not auch als windgeschützter Übernachtungsort an. Nach 150 km erreiche ich endlich den schön, direkt am Fels gelegenen Campingplatz in Jachal – wahrlich eine Oase mit kleinem Fluß, Schatten, kühlen Getränken, Bungalows. Am nächsten Morgen werde ich im nächsten Ort erst vom lokalen „Karl Kolumna“ (kommt stilecht auf dem Moped) interviewed (inkl. Livestream auf Facebook), will dann mehr Luftdruck auf die Reifen bekommen und verzweifle am defekten Kompressor. Am Ende pumpe ich den Vorderreifen wieder per Hand auf.

Durch irre Felsen geht es auf und ab, vorbei am Ort Huarco mit vier Fahrspuren aber ohne Menschen auf der Straße (geschweige denn Autos). Nur hier sehe ich tatsächlich eine der alten (Wasser)Mühlen, derer es auf dieser Strecke doch so viele geben soll. Es ist heiß, bald führt der Mittelstreifen nur noch geradeaus, Kakteen häufen sich, alle 250 m ein Strommast, ein paar Papageien, nicht viel mehr. Der Wind … kommt natürlich nicht von hinten und schiebt, das wäre ungewöhnlich und schlicht zu einfach. An diesem Tag wechselt die Tachoanzeige auf 5.000 km – eine schöne Zahl., nicht mehr Am Eingang des Ischiguasto Nationalparks darf ich nach 109 km leider weder campen, noch beim Parkwächter übernachten – obwohl das Haus riesig ist und kein Campingplatz in erreichbarer Nähe ist. Zumindest die Wasserflaschen kann ich auffüllen, gucke mir das Dino-Skelett an und fahre weiter – ein paar Kilometer weiter sind bei iOverlander Wildcampingplätze eingezeichnet, einer davon noch vor der nächsten großen Steigung. Tatsächlich finde ich den Aussichtspunkt mit großem Parkplatz und potentiell windschützenden halbhoher Mauer. Hier kann man bleiben. Heringe lassen sich zwar nicht in den steinernen Parkplatzboden stecken, aber gegenüber lockt neben dem Asphalt eine kleine Anhöhe. Nach dem Abendbrot steht bald das Zelt und ich habe das Tal bis zum Morgen für mich allein.

Als nächstes steht ein schöner Anstieg hinauf zum Besucherzentrum des Mondtals an – hier dröhnt laute Musik aus Boxen, Arbeiter werkeln am derzeit geschlossenen Campingbereich, eine Ausstellung zeigt Knochenfunde und informiert zur geologischen Stätte und deren Bedeutung, Dinosaurierfunden und mehr. Der Wind tost, die 35 km bergauf hierher waren schon ein Krampf, trotz tollem Panorama. Angeboten werden Radtouren durch´s Tal (fällt aus bei dem Wind) und die Fahrt im eigenen Auto, einem Parkwächter hinterher. 3 Stunden, 40 km – um 14 Uhr würde es losgehen. Bei 250 Pesos Parkeintritt und weiteren 200 Pesos für die Tour (für die mir zudem noch die Mitfahrgelegenheit fehlt) kneife ich mir auch diesen Spaß, schließlich sind es bis zur nächsten Siedlung mit etwaiger Übernachtungsmöglichkeit nochmal 30 oder mehr Kilometer gegen den Wind. Die Sonne geht mittlerweile vor 20 Uhr unter. Nach der Rast also zurück auf´s Rad – im ersten Ort wird mir das einzig noch verfügbare Zimmer vor der Nase weggeschnappt. Windschutz zum Zelten gibt es nicht, also weiter – es soll nach 20 km noch ein Hotel kommen – mit Preisen ab 70 EUR (ungefähr mein Wochenbudget für Übernachtungen, wenn ich nicht wild campe) fällt aber auch diese Option aus. Soll es wieder eine Bushaltestelle werden? Immerhin sind die hier massiv, aus Stein, stehen meist an Einfahrten zu Estancias, sind groß genug und verfügen über eine Bank für die Isomatte… Letztlich darf ich aber doch neben einem Bistro unweit des Hotels mein Zelt aufschlagen, habe ein Waschbecken und den ersten Platten: Scheinbar war die Zufahrt zu meinem Zeltplatz mit Dornen verseucht. Zum Sonnenuntergang ist der Reifen wieder rund und ich kann kochen, gleich darauf, ab ins Zelt. Ich hätte wunderbar schlafen können, hätten nicht gleich drei Hunde in unmittelbarer Nähe die ganze Nacht durch gebellt, wären über meine Zeltleinen gestolpert und hätten auch noch ans Zelt gepisst. Das Blenden mit der Kopflampe und Lärm machen schafft nur kurz Abhilfe, Oropax helfen nicht, am Ende kann ich nur Dank MP3-Player einschlafen und wache ziemlich gerädert gegen halb sieben auf. Noch dazu lässt die Isomatte seit ein paar Tagen Luft. Nicht gerade die besten Voraussetzungen um am nächsten Tag eine lange Etappe zu bestreiten. Und doch: Glatte 150 km sollen es am Ende des Tages sein. Frühstück im Freien zum Sonnenaufgang bei 5 Grad, 18 Grad gegen 11 und 32 Grad am frühen Nachmittag. Das eigentliche Tagesziel bietet nach 75 km nichts außer Staub, einem geschlossenen Hostal, einer Tankstelle und viel Wind. Außerdem ist es erst Mittags, also will ich weiter nach La Rioja. Unterwegs hält ein Trucker und schenkt mir Obst, freundliches Gehupe und Gewinke begleiten mich durch die öde Strauchpampa. Das richtige Bett im Hostel erscheint mir verdient. Victoria, meine Couchsurferin kann leider kurzfristig nicht hosten, unterhält mich die nächsten Pausentage aber bestens: Es gibt Eis, Mate, Abendessen in der Eckkneipe, Ausflüge mit dem Auto in die Umgebung, eine flotte Wanderung mehr oder minder im Flußbett hinauf zum Wasserfall. Im hosteleigenen Pool finde ich auch das Loch der Isomatte und kann es flicken – bei weiterhin über 30 Grad ist sonst aber Müßiggang angesagt. Ach ja, es ist Ostern, in den Geschäften gibt es sogar Schokoeier, im Hostelofen das nächste Pan Aleman und im Bioladen (der erste mit zertifizierten Produkten) stocke ich wie in allen großen Städten Vorräte auf: getrocknete Tomaten, Samen, Haferflocken, Sojageschnetzeltes und was sonst noch interessant erscheint, leicht und nahhaft ist.

Nach drei Tagen verlasse ich La Rioja. Auffallend ist neben dem Wechsel der angebauten Pflanzen (statt Wein sind dies mittlerweile Oliven, Mais, Tabak) die zunehmende Anzahl einspuriger Gefährte: Die Leute fahren vermehrt Moped, Motorrad oder Fahrrad – jedoch ohne Gepäck – und größere Gauchogruppen traben mir entgegen, mal mit, mal ohne Rind und/oder Kind hinter bzw. auf dem Gaul. Bei 36 Grad (am Rahmen gemessene 43) erreiche ich nach 162 km und neun getrunkenen Litern Wasser (jeweils bisheriger Höchstwert) am Abend San Fernando de Catamarca und beziehe meine nächste „Couch“ – ein eigenes Zimmer inklusive liebenswertem Golden Retriever, entspannter Katze und wundervoller Gastgeberin. Cecilia empfängt mich herzlich, ich bekomme ein paar Spanischlektionen, revanchiere mich mit Massagen für den Hund, Brot und Salat. Am Folgetag, dem 1. April passiert das Unfassbare: Es regnet aus Kübeln, das Thermometer zeigt nur noch 20 Grad – was für schöner, lang ersehnter Anblick (vor allem vom gemütlichen Wohnzimmer aus). In den nächsten Tagen geht es mit Etappen zwischen 85 und 150 km weiter nach Termas de Rio Hondo – eigentlich ein Umweg auf dem Weg nach Norden, aber ich habe ja Zeit und will endlich die Füße in warmes Thermalwasser stecken. Unterwegs campe ich mit Erlaubnis des diensthabenden Arztes hinter dem Gemeinde-/Gesundheitszentrum von Rumi Punco. Unterwegs bekomme ich eine Avocado geschenkt und der Polizist an der Provinzgrenze pfeift mich nochmal zurück – nur um ein bisschen zu Plauschen, die üblichen Fragen: Woher, wohin, wie lange, alleine? Wo schläfst du, pass´ auf dich auf … „Bon Viaje, Suerte und Adios“ – und es ist wieder bullenheiß. Ein bekanntes Buchungsportal beschert mir am nächsten Tag ein Schnäppchen: In Termas de Rio Hondo checke ich im „Grand Hotel“ ein und genieße nach knapp 150 km bis zum Sonnenuntergang den Thermalpool auf der Dachterasse sowie mein Doppelzimmer mit Balkon und improvisiertem Abendbrot. Das staubige Rad in die Lobby zu schieben und mich verschwitzt am Tresen dem ungläubigem Portier als Gast mit Reservierung vorzustellen war ein besonderer Spaß und für die Angestellten sicher ein seltener Anblick. Wenig später fand sich Fritz aber wohl behütet in der hoteleigenen Tiefgarage wieder. Das Frühstück am nächsten Tag mit richtigem, also großem, Buffet bestehend aus Wurst, Käse, Obst (und das in Argentinien!), Müsli, Säften, Gebäck, Eulen und anderem aus Melonen und Ananas nachgebautem Getier als Dekoration toppt alles. Am Wochenende findet hier wohl eine Moto-GP-Veranstaltung statt – ein Grund für mich, nicht länger zu bleiben. Einziger Wermutstropfen: Auf dem Weg in den Ort (17.000 Einwohner und mindestens genauso viele Gästebetten zzgl. Campingplätzen, oftmals mit eigenem Thermalpool) hörte ich schon nach 60 km ein merkwürdiges Schleifgeräusch am Rad, dass sich kurz darauf als Felgenriss herausstellte. Die Strecke war flach, ohne viel Verkehr, also konnte ich die Hinterbremse ausspannen, um den weiteren Verschleiß zu verringern. Am nächsten Tag, auf dem Weg nach Tucuman, wird die Beule an der Felge jedoch noch größer – wie weit geht das noch gut? Nach 40 km entschließe ich mich abzusteigen und nach San Miguel de Tucuman zu trampen, bevor mir noch der Hinterreifen platzt und auch der Mantel kaputt geht – genau dies passierte auch in Neuseeland an der Westküste der Südinsel. In zwei Etappen (20 km auf der Ladefläche, die nächsten 30 km im Innenraum) nimmt mich ein Zuckerrohr- und Zitronenbauer nach einigem Warten mit – seine Mittagspause zuhause überbrücke ich mit einem Nickerchen im Straßengraben. Normalerweise lade ich Fritz beim Hitchbiken komplett ab – mit Wasser und Gepäck sind die 60 kg eigentlich nicht zu heben. Anders heute: Der Mann hat überschüssige Kräfte und zusammen wuchten wir das Rad samt Taschen auf den Transporter. In Tucuman zeigt mir der nette Typ noch einige Radläden, gibt mir seine Nummer, falls ich noch was brauche und setzt mich direkt vor der Tür meines nächsten Couchsurfers ab. Mein Gastgeber heute: Anwalt, Gestalt-Therapeut und einiges mehr mit Putzfrau und Personal Trainer und noch dazu super nett, weitgereist und Eisliebhaber – Jackpot! Auch hier sorgt selbstgemachtes Brot und Curry zum Abend nahezu für Liebesbekundungen.

Noch am ersten Abend geben wir Fritz in Reparatur, schon am nächsten Mittag hat er seine neue, hoffentlich stabile Felge einer einheimischen Marke und neue Bremsen. Als Ursache des Risses vermute ich übrigens klassisches Durchbremsen mit leicht überhöhtem Luftdruck (5 bar – für den Mantel okay, die Felge verträgt aber nur 4,5 bar, wie ich jetzt auch auf dem Aufkleber sehe).

Beim Verlassen Tucumans komme ich an Straßenhändlern mit lebenden Ferkeln (im Einkaufswagen gehalten) neben bereits geschlachteten Artgenossen vorbei. Es geht heute wieder Richtung Westen, das Tal rund um Tafi del Valle soll wunderschön sein und so gilt es, nochmals die Bergkette zu queren. Auch das ein Umweg, alternativ könnte ich Salta in zwei oder drei Tagen auf direktem Weg erreichen. Der Gegenwind bleibt mein treuer Begleiter. Erst um 13 Uhr fahre ich nach ausgiebigem Frühstück und Regenschauern am Morgen aus Tucuman los und steige nach 65 km am Straßenwachtposten vom Rad. Eigentlich wollte ich nur fragen, ob ich gegenüber im regenwaldbewachsenem Tal am Rastplatz campen dürfte, der alte Herr bittet mich jedoch gleich auf den Bauhof, bietet mir ein leeres Zimmer für mein Zelt bzw. die Isomatte, eine warme Dusche und sogar die Nutzung der einfachen Küche an, als mein Campingkocher versagt – zum Sonnenuntergang teilen wir Erdnüsse und gucken den Hühnern dabei zu, wie sie den Baum hochklettern. Irgendwie romantisch, oder? Tagsüber kümmert er sich um die nahen Rastplätze, sammelt etwas Müll, der leider zu oft liegen gelassen oder aus den Autofenstern geworfen wird – aber was macht man hier sonst den ganzen Tag außer am nahen Fluß zu kontemplieren oder Autos zuzuwinken? Offensichtlich freut er sich ein bisschen über die Gesellschaft, auch wenn diese ähnlich wortkarg wie sein Hund ist.

Weiter Richtung Tafi del Valle – dem Urlaubsort der Region in den Bergen. Ab 1700 m weichen die üppige Vegetation und die tief hängenden Wolken einer Hochebene mit See. Nach Tafi komme ich heute nicht mehr – durch die Provinzralleymeisterschaften ist die Zufahrtsstraße länger gesperrt und ich checke im ländlichen Hostel einer Französin ein – mit Blick auf See, Berge und Pferde. Außer aus dem ganzen Tal zusammengetragenen Monolithen, sogenannten Menhires gab es im einzigen Ort des Tages nichts zu sehen, aber immerhin hausgemachte Salami und Gemüse vom Straßenrand. Die Landschaft fetzt aber auch so.

In Tafi versorge ich mich nochmal mit ein paar Lebensmitteln, an der einzigen Bank stehen die Leute wie schon in Tucuman bis um die Ecke Schlange, spätestens in Cafayate brauche ich wieder Bargeld, sonst wird’s eng. Statt erhofftem Rückenwind erwartet mich heftiger Gegenwind, die Straße geht steil bergauf – knapp über 1300 Höhenmeter und 35 km sind es zum Pass auf 3050 m. Mit Tempo 8 km/h krieche ich mehr, als dass ich den Berg hoch fahre. Nach 3 Stunden habe ich die Schnauze voll – bis Cafayate sind es noch über 100 weitere Kilometer. Zumindest zum Pass will ich trampen, wobei ich weiterfahre und probiere, überholende Pick-Ups zum Halten zu animieren. Ausgerechnet ein mit fünfköpfiger Familie vollbesetzter Wagen hält. Auch die Ladefläche ist mit Gepäck voll und abgedeckt. Dennoch darf ich mitfahren, obwohl ich mit Blick auf die Beladung schon abwinkte: Die jungen Töchter werden auf der Rückbank zusammengeschoben und teilen diese mit dem älteren Bruder und der Mutter – ich darf vorn sitzen. Fritz wird, wieder ohne abgeladen zu werden, noch auf der Ladefläche verzurrt. Bis ins nächste Dorf soll ich mitfahren – und damit fast schon bis zur Ruta 40. Super. Auf der Passhöhe hat selbst das moderne Auto ein bisschen an Zugkraft verloren – zu wenig Luft. Hinter dem Pass ändert sich die Szenerie schlagartig: Diese Bergseite ist total arid, überall stehen Kakteen und der Wind bläst noch immer kräftig von vorn. Ich bin froh über die Mitfahrgelegenheit. Im Ort gönne ich mir Pizza an der Tankstelle und fahre gerade weiter, um die letzten 60 km nach Cafayate zu überwinden, als mich wieder ein weißer Pick-Up überholt und hält: Die Familie fährt auch nach Cafayate und macht aus dem Angebot, mich nach dem Mittag weiter mitzunehmen Ernst. Bei Gegenwind, verbrannten Armen vom Vortag und über 30 Grad muss ich nicht lange überlegen. Nach einem Abstecher zu den (stark restaurierten) Ruinen von Quilmes erreichen wir Cafayate – die Weinstadt.

Auch hier kostet das Bett nicht viel mehr, als im Zelt zu übernachten – also wähle ich ein nettes Hostel mit Garten und Weinreben. Bei der Hitze und den ganzen Moskitos lässt es sich jedoch kaum schlafen. Alle Versuche, den Brenner wieder fit zu kriegen scheitern ebenso: Die Düse ist verstopft, sitzt fest und schließlich bricht mir auch noch die Schraube am Druckregulierer – schöner Mist, ich hatte ab jetzt mal ´nen Brenner. In Jujuy muss dann wohl Ersatz her. Nett hingegen ist die Begegnung mit Eric und Elli – einem französisch-deutschem Paar, Mitte 50, dass durch die USA und Mexiko per Rad fuhr und nun einige Monate mit Rucksack in Südamerika unterwegs ist. Die beiden nehmen mich mit zur Ziegenkäserei, am Abend gibt es einen deutsch-französischen Abend mit Käse, Wein, hausgemachter Salami (konnte ich bei Tafi del Valle am Straßenrand erstehen), Oliven und Salaten – die Kellerei, in der wir eine Weinprobe machen wollten, hatte nämlich schon zu, somit gab´s die Verprobung lokaler Tropfen (Torrientes und Malbec) also kurzerhand im Garten, mit netten Gesprächen. Und ich habe wieder was gelernt: Den Käse schneiden Franzosen nicht in Scheiben, sondern in Ecken – als ich ansetzen wollte, den guten Ziegenkäse längs zu schneiden, ging ein Raunen durch den Garten und Luft wurde scharf eingezogen 😉

Der nächste Tag ist der vorerst letzte heiße Tourtag: Es werden nochmal knapp 30 Grad und die Straße führt durch Weingüter hinaus aus Cafayate. Mit Beginn der Naturreservats „Quebrada de las Conchas“ ändert sich das Bild schnell: immer mehr Felsen rahmen das Tal, meist rot, oft in tollen Formen und mit Höhlen versehen. Die Vegetation wird spärlich, doch unter einem Baum entdecke ich am Horizont dann doch Umrisse eines liegenden Rades mit Kanistern. Tatsächlich treffe ich nochmal Radtoureros, damit habe ich nicht mehr gerechnet. Das Argentinisch-Kolumbianische Pärchen startete vor einem Jahr in Kolumbien und reist mit Gitarre und Violine um unterwegs immer mal wieder ein paar Pesos zu erspielen. Nach gemeinsamer Mittagspause fahren wir in unterschiedlichen Richtungen weiter. Noch 50 km (von heute 105 km) und ein Kuchenstopp sind es bis La Vina, der heutigen Tankstelle mit kleinem Bistro, Dusche und Platz zum Zelten. Einen Tag und 85 km später komme ich bereits mittags in Salta an, der angeblich schönsten Stadt Argentiniens. Ein paar hübsche Kolonialbauten stehen an den Hauptplätzen, es gibt einen Aussichtsberg mit Gondel und einen netten Park, gut aussehende Bars und Restaurants, was die Stadt so besonders machen soll, erschließt sich mir jedoch nicht. Mit Anna, meiner amerikanischen Gastgeberin geht es auf den Berg, zu ihren Boulder/Kletterfreunden und am Folgetag auch Essen. Im deutsch-europäischen Kulturzentrum sehe ich die deutsch-kanadische Filmproduktion „Coconut Hero“ auf Englisch mit spanischem Untertitel, nehme gern die anschließende Vernissage in der zugehörigen kleinen Galerie mit Snacks wahr und verabrede mich mit der Direktorin des Kulturzentrums für den Folgetag, um Ideen zu ihrem Oktoberfest in Salta auszutauschen. Am letzten Abend ziehe ich noch zu einem weiteren Couchsurfer, während es in der Stadt kaum noch 20 Grad sind und die Sonne nicht mehr herauskommt. Am 15.04. erreiche ich schließlich auf der wunderschönen, engen Ruta 9 Jujuy – die Strecke ist kaum befahren und führt erst auf 1550 m hinauf, um dann wunderschön kurvig wieder einige hundert Meter tiefer nach San Salvador de Jujuy, der nächsten Provinzhauptstadt zu führen. Es regnet leicht und dichter Nebel sowie Wolken lassen lange leider nichts vom Tal erkennen. Allein die Regenwaldvegetation macht diese 97 km aber zu einer der schönsten Etappen im Norden. Am 17.04. geht es nun für zwei Wochen ins private Naturreservat Aldea Luna – kein Strom, kein Netz und dafür jede Menge Natur. Ab Anfang Mai kehre ich dann in die Zivilisation zurück.

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